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Kaufkraft der Nominale
Zahllose Währungen, Münztypen, verwendete Münzmetalle und Nominale tauchten im Laufe der Geschichte auf – und sie alle besaßen eine eigene Kaufkraft. Häufig stellen sich Sammler daher die Frage: Welche wichtigen Nominale gab es in der Vergangenheit und wie war ihre nominale Kaufkraft? Diese Frage ist schwierig zu beantworten und erfordert einen detaillierten Blick in die Vergangenheit.
Was ist die nominale Kaufkraft?
Der aus der Wirtschaft stammende Ausdruck „nominale Kaufkraft“ ist eng mit den Begriffen „Reale Kaufkraft“ bzw. „Realeinkommen“ verknüpft. Die reale Kaufkraft beschreibt die Menge an Gütern, die durch ein bestimmtes (Nominal-)Einkommen erworben werden kann.
Die realen Werte werden errechnet, indem die nominale Kaufkraft um einen Preisindex (in der Regel das Niveau für Konsumentenpreise) bereinigt wird. Je mehr die Preise für Konsumgüter steigen, umso mehr sinkt der Reallohn, da man für eine bestimmte Menge Geld weniger Güter kaufen kann.
Nominale Kaufkraft im Wandel der Zeit
Das antike Griechenland
Zur Zeit der antiken Griechen galt der Stater als das Hauptnominal. Es gab eine ganze Reihe unterteilender und vervielfachender Nominalstufen für diese Münze, doch die wichtigsten waren wohl:
1 Stater = 2 Drachme
1 Drachme = 6 Oboli
Ein griechischer Handwerker oder Soldat verdiente um 600 v. Chr. pro Tag etwa eine Drachme. Ein ungelernter Arbeiter erhielt nur die Hälfte. Ein Reiter mit eigenem Pferd wurde dagegen höher entlohnt und bekam vier Drachmen. Die nominale Kaufkraft in dieser Zeit war dabei sehr hoch: Um den Lebensunterhalt einer fünfköpfigen Familie zu bestreiten, mussten ein bis zwei Oboli pro Tag aufgebracht werden.
Nominale Kaufkraft in der frühen römischen Kaiserzeit
Das römische Währungssystem war einfacher aufgebaut als das griechische, jedoch erfuhr es im Laufe der Zeit einige Reformen. Die wichtigsten Nominale waren:
1 Aureus = 25 Denare
1 Denar = 16 Asse
1 Quinar = 8 Asse
1 Sesterz = 4 Asse
1 Dupondius = 2
Asse
1 As = 2 Semis
1 Semis = 2 Quadrans
Wie Sie sehen, hat das jeweils kleinere Nominal genau den halben Wert des vorherigen. Eine Ausnahme stellte dabei der Aureus dar, der aus reinem Gold bestand.
Der Monatslohn eines römischen Handwerkers lag bei etwa 50 Denare. Ein Mosaiksetzer erhielt sogar 60 Denare, wohingegen sich ein Schreiber oder ein Landarbeiter mit 25 Denaren begnügen musste. Die nominale Kaufkraft im frühen Kaiserreich war noch immer gut: Ein Brot, eine Öllampe, ein Topf und ½ Liter Tischwein kosteten jeweils ein As. Für eine Tunika musste man 15 und für einen Eimer acht Sesterzen bezahlen. Die Wohnungsmiete betrug hingegen zwischen 150 und 800 Sesterzen.
Das deutsche Mittelalter
Seit dem Erlass Karls des Großen im Jahr 794 war der Denar oder Silberpfennig das einzige geprägte Nominal. Der Schilling war wie der Pfennig eine Untereinheit des Karolingischen Pfundes, das ein Gewicht von etwa 408 Gramm hatte. Auf ein Karlspfund kamen 240 Pfennig oder 20 Schillinge. Der Schilling galt aber lediglich als Recheneinheit. Sein Wert betrug 12 Pfennig.
Die Tatsache, dass es nur ein einziges Nominal gab, verdeutlicht die geringe Rolle des Geldes zur damaligen Zeit und damit einher dessen nominale Kaufkraft. Preise und Löhne sind so gut wie keine überliefert, jedoch lassen vereinzelte Hinweise auf die nominale Kaufkraft eines Silberpfennigs schließen: Für einen Pfennig erhielt man z.B. zwei Hühner oder eine Gans. 30 Pfund Roggenbrot kosteten ebenfalls einen Pfennig. Bekannt sind auch die Preise für Waffen, hier wurde jedoch das Silbergeld nach Gewicht bemessen. So musste ein Ritter für einen Helm und ein Schwert fast 900 Gramm Silber aufbringen.
Mit Beginn der Kreuzzüge wurde es nötig Münzen zu prägen, mit denen auch im Ausland bezahlt werden konnte. Damit ging die Ära des Silberpfennigs langsam zu Ende. Als Vorbild für die neue Münzgeneration dienten byzantinische Goldmünzen und die Silber-Dirhams der Moslems, die in den Handelsstädten Oberitaliens zirkulierten. Auch die bisher nur als Recheneinheit bekannten Groschen wurden nun erstmals ausgeprägt.
Im 11./12. Jh. wurde das Karolingische Pfund durch die Mark als Edelmetallgewicht abgelöst. Das Gewicht der „Rechenmark“ betrug etwas mehr als die Hälfte des Karolingischen Pfund. Die Mark war damals wie folgt unterteilt:
1 Mark = 16 Schillinge
1 Schilling = 12 Pfennig
Im 13. Jahrhundert verdiente ein Ratsschreiber knapp 100 Schillinge jährlich. Ein Fuhrmann bekam sogar 200 Schillinge. Auf den ersten Blick erscheint diese Entlohnung gering, doch war die nominale Kaufkraft zu dieser Zeit sehr hoch: So bekam man für 15 Schillinge eine Kuh, ein Pferd kostete vier Mark 12 Schillinge und ein Huhn fünf Pfennig. Ein Mantel kostete etwa 16 Pfennig, Schuhe und Stiefel zwei und acht Schilling.
Im 14. Jahrhundert führte man vor allem in Süddeutschland ein neues Währungssystem ein. Dies beruhte auf dem Hauptnominal und der dazugehörigen Kaufkraft Gulden, dem folgende Einteilung zugrunde lag:
1 Gulden = 20 Albus (Weißpfennige)
1 Albus = 2 Schillinge
1 Schilling = 6 Pfennig
1 Pfennig = 2
Heller
Aus dieser Zeit liegen die ersten Schriftstücke der Handwerksgilden vor. Darin werden unter anderem auch Löhne gelistet. Ein Meister verdiente pro Tag etwa acht Schillinge, ein Geselle bekam fünf und ein Lehrling drei Schillinge. Allerdings wurde damals das „Kostgeld“ auf den Lohn angerechnet, so dass dem Meister und dem Gesellen nur noch wenige Pfennige blieben, während Lehrlinge oft leer ausgingen.
Die Preise sind dabei im Vergleich zum 12. Jahrhundert kräftig gestiegen – und dementsprechend sank die nominale Kaufkraft deutlich. Für einen neuen Kittel oder ein Paar Schuhe musste ein Meister einen ganzen Taglohn von acht Schillingen investieren.
Nominale Kaufkraft in der Neuzeit
Mit dem Beginn der Neuzeit trat eine neue Silbermünze hervor - der Guldiner. Die Einführung dieser Großsilbermünze ließ ein neues Münzsystem entstehen, das den veränderten wirtschaftlichen Bedürfnissen der Neuzeit Rechnung trug.
1 Guldiner = 60 Kreuzer
1 Kreuzer = 4 Pfennig
An der Schwelle zur Neuzeit verdiente ein bayerischer Steinmetz wöchentlich etwa 60 Pfennig, ein Söldner bzw. eine „Verwundetenpflegerin“ dagegen 40 Pfennig. Da man vier Eier, genau wie ein Pfund Rindfleisch, für einen Kreuzer erhielt und 1 Liter Milch einen Pfennig kostete, wird deutlich, wie stark sich die nominale Kaufkraft im Übergang zur Neuzeit erholt hatte.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bürgerte sich der Begriff Taler für den Guldiner ein. Taler war jedoch nicht gleich Taler: Es zeichnete sich ein Nord-Süd-Gefälle ab, was das Gewicht dieser Großsilbermünze angeht. So verwendete man bei dem im Norden verbreiteten Reichstaler etwa 22 Gramm Silber, wohingegen man im Süden den Konventionstaler aus 29 Gramm Silber prägte.
Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs 1618 setzte in Deutschland, Österreich und Böhmen eine drastische Münzverschlechterung und Geldkrise ein, die bis 1623 andauerte – die so genannte Kipper- und Wipperzeit. Essenziell für diese Zeit war das (oft illegale) Prägen der mittleren und kleineren Werte (Groschen, Schillinge, Pfennige, Heller) durch das Strecken der Münzmetalle mit Kupfer.
Anfangs verkaufte die Bevölkerung gern ihre ersparten alten Münzen, damit diese eingeschmolzen werden konnten, denn sie bekamen nominell einen höheren Wert zurück – allerdings in Kippermünzen. Nach und nach wurden die nach dem alten Münzfuß geprägten Münzen immer knapper. Sie stiegen beträchtlich im Kurs und waren sehr begehrt. Der Wert des Geldes verminderte sich stetig, sodass auf dem Höhepunkt der Kipperzeit nur noch Kupfermünzen ausgegeben wurden. Beispiele zur nominalen Kaukraft der einzelnen Geldsorten dieser Zeit liegen kaum vor.
Bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg gab es unterschiedliche Talergewichte, für die um 1750 folgende Einteilung galt:
1 Taler = 24 Groschen
1 Groschen = 2 Schillinge
1 Schilling = 12 Pfennig
Im süddeutschen Raum wurde der Guldiner zum Gulden weiterentwickelt. Jener bildete dort die Währungs- und Rechnungsgrundlage. Der Gulden war wie folgt unterteilt:
1 Gulden = 60 Kreuzer
Zur Konvertierung von Taler- und Guldenwährung galt:
20 Gulden = 14 Taler
1750 einigten sich zunächst Österreich und Bayern auf ein einheitliches Münzgewicht (Münzfuß). Später schlossen sich mehrere mittel- und norddeutsche Länder an. Im Jahre 1753 ging aus diesem Konvent der sogenannte Konventionstaler hervor, der eine Konvertierung der beiden Währungen ohne vorheriges Wiegen ermöglichte. Dieser Konventionstaler hatte folgende Unterteilung:
1 Konventionstaler = 90 Kreuzer
Noch immer kursierten aber Münzen mit unterschiedlichem Gewicht, so dass man folgende Verhältnisse zu beachten hatte:
1 Gulden = ⅔ Konventionstaler
⅓ (Reichs)Taler = ¼ Konventionstaler
Diese Regelung ist auch der Grund, weshalb Münzen aus dieser Zeit häufig ihr Nominal in beiden Münzfüßen aufgeprägt wurde.
Aus dem 18. Jahrhundert sind zahllose Beispiele für Löhne und Preise bekannt, die Aufschluss über die nominale Kaufkraft geben. Ein Taglöhner verdiente um 1770 etwa 50 Taler im Jahr. Ein Handwerker, Maurer oder Zimmermann bekam 70 Taler. Lehrer bezogen zwischen 80 und 200 Taler. Dem entgegen standen geringe Lebenshaltungskosten, die sich im Pfennig- und Groschenbereich bewegten.
Die Französische Revolution brachte Frankreich 1795 neben einer neuen Gesetzgebung auch das Dezimalsystem. Zur Zeit Napoleons herrschte jedoch in den deutschen Staaten eine unverändert große Währungsvielfalt. Vor allem im süddeutschen Raum kursierten verschiedene Münzarten nebeneinander: der niederländische Kronentaler, der Konventionstaler sowie französische Ecus.
Die Industrialisierung und der liberale Wirtschaftsgeist bewirkten im frühen 19. Jahrhundert handelspolitische Zusammenschlüsse zwischen den deutschen Staaten (Deutscher Zollverein). Damit war auch die Grundlage für die Vereinheitlichung des deutschen Münzwesens geschaffen. Am 25.8.1837 vereinbarten die süddeutschen Staaten Baden, Bayern, Frankfurt, Hessen-Darmstadt, Nassau und Württemberg im Münchener Münzvertrag u.a. die Prägung von 1/2-, 1- und 2-Gulden-Stücken mit gleichen Maßen und gleichem Gewicht. Schließlich traten auch weitere Kleinstaaten des süddeutschen Raums und die sächsischen Herzogtümer dem Münzvertrag bei.
Bereits am 30.7.1838 wurde in Dresden eine Vereinsmünze aller Mitglieder des Deutschen Zollvereins geschaffen, die sowohl im Süden (= Guldenländer) als auch im Norden (= Talerländer) gültig war. Es galt die Gleichsetzung:
2 Taler = 3½ Gulden
Die von den Einzelstaaten geprägten „Doppeltaler“-Münzen trugen daher in ihrer Beschriftung auch beide Währungsangaben: die norddeutschen mit der Taler-Bezeichnung an erster Stelle, die süddeutschen entsprechend mit der Gulden-Bezeichnung. Den endgültigen Durchbruch brachte schließlich der Wiener Münzvertrag von 1857 zwischen Österreich und den Zollvereinsstaaten.
Die Jahrhunderte lang den Münzfüßen zugrundeliegende (Kölner) Mark wurde durch das Zollpfund (500 Gramm) abgelöst und ein neuer Vereinstaler eingeführt, von dem 30 Stück exakt ein Pfund Feinsilber ergaben. Bei 900 Feinheit wog demnach ein Vereinstaler 18,52 Gramm bei einem Feingewicht von 16,67 Gramm. Da der Taler nun überall das gleiche Gewicht hatte, war der Weg zur Mark-Währung für ganz Deutschland geebnet.
Zwei Jahre nach der Reichsgründung im Jahr 1871 wurde das erste Markstück ausgeprägt. Es war von nun an das Hauptnominal der neuen Währung. Seine Festlegung als 1/100 des Pfundes (1 Mark wog 5,55 Gramm bei einer Feinheit von 900) machte diese neue Gemeinschaftswährung mit dem Taler konvertierbar: ein 3-Mark-Stück wog das Dreifache einer Mark, also 16,67 Gramm, was genau dem Feingewicht des Vereinstalers entsprach.
Erst 1908 schieden die alten Taler im Wert von 3 Mark aus dem Zahlungsverkehr aus. Die Mark begleitete uns seit ihrer Einführung durch eine wechselvolle Geschichte. Sie begegnete uns im 20. Jahrhundert mit vielen Gesichtern: als Rentenmark, Reichsmark und zuletzt als D Mark Münzen. Ihr Abschied kam im Rahmen der aktuellen deutschen Euromünzen zum Jahreswechsel 2001/02.